SG Bremen-Ost gewinnt Krimi in Neerstedt mit 36:34

Große Bühne, volle Halle und ein Spiel, das hielt, was es versprach. Die SG Bremen-Ost hat das Topspiel der Oberliga Nord beim TV Neerstedt mit 36:34 (16:20) für sich entschieden und damit ein deutliches Ausrufezeichen im Rennen der Spitzengruppe gesetzt.

Schon vor dem ersten richtigen Aufreger bekam die Partie eine besondere Note. Schiedsrichter Stephan Meiners verletzte sich früh und musste ersetzt werden. Der angesetzte Beobachter Björn von der Linde sprang ein, das Gespann stellte sich neu auf. Eine ungewohnte Situation für beide Mannschaften, die der Intensität des Abends aber keinen Abbruch tat.

Neerstedt startete mit viel Energie. Angetrieben vom Publikum, kompromisslos in den Zweikämpfen und mit klarem Zug zum Tor erspielten sich die Gastgeber Vorteile und hielten die Führung zunächst in der eigenen Hand. Bremen-Ost hatte vor allem mit dem Spiel über halbrechts und an den Kreis Probleme, verteidigte engagiert, bekam aber nicht den gewünschten Zugriff.

In der 15. Minute drehten die Gäste die Partie erstmals und gingen mit 10:9 nach vorne. Doch die Antwort folgte prompt. Neerstedt nutzte technische Fehler der Bremer konsequent, legte einen 5:0-Lauf hin und stellte auf 14:10. Trotz dieses Rückstands blieb das Gefühl, dass sich hier zwei Teams auf absoluter Augenhöhe begegneten. Bis zur Pause arbeiteten sich die Bremer wieder heran, ohne den Abstand entscheidend zu verkürzen. Beim Stand von 20:16 wurden die Seiten gewechselt.

Nach Wiederanpfiff veränderte sich das Spiel spürbar. Bremen-Ost stellte defensiv um, agierte nun aus einer kompakten 6:0-Abwehr und bekam deutlich besseren Zugriff. Neerstedt musste lange Angriffe fahren, die Räume wurden enger, die Würfe schwieriger. Dahinter wuchs Torhüter Rieko Seekamp mehr und mehr zum Rückhalt, nahm wichtige Bälle weg und gab seiner Mannschaft zusätzliche Sicherheit.

In der 37. Minute war der Ausgleich perfekt. Timon Timmermann traf vom Kreis zum 22:22. Die Partie war nun völlig offen. Die Führung wechselte, jede Aktion wurde lautstark begleitet, die Atmosphäre hatte längst Spitzenspielniveau erreicht.

Die entscheidende Wendung kam gut neun Minuten vor dem Ende. Nach der Roten Karte gegen Neerstedt kippte die Dynamik. Bremen-Ost spielte die Überzahl diszipliniert und mit viel Klarheit aus, ging in der 54. Minute wieder in Führung und erhöhte wenig später auf zwei Tore. Diesen Vorsprung ließen sich die Gäste nicht mehr nehmen. Neerstedt kämpfte verbissen, kam noch einmal heran, doch die SG blieb ruhig, traf in den entscheidenden Momenten die richtigen Entscheidungen und brachte den Sieg verdient ins Ziel.

SG-Trainer Luke Pehling war nach dem Abpfiff entsprechend zufrieden. „Das war eine absolute Mannschaftsleistung. Für uns ist es extrem schwer, Freitagabend in Neerstedt zu spielen. Beide Teams haben ein gutes Spiel gezeigt und ich finde, wir haben am Ende verdient gewonnen. Wir verteidigen vor allem in der Schlussphase richtig gut und erkämpfen uns diesen Sieg. Die Überzahl haben wir fast zu hundert Prozent erfolgreich ausgespielt.“

Zu Beginn habe seine Mannschaft noch Probleme gehabt, erklärte Pehling. „Wir waren aggressiv und agil auf den Beinen, aber wir haben auf halbrechts keinen Zugriff bekommen und durch das viele Helfen zu große Lücken angeboten. Auch den Kreis hatten wir am Anfang nicht gut im Griff. In der zweiten Halbzeit fahren wir mit der harten 6:0 deutlich besser. Neerstedt musste lange Angriffe spielen, und wir konnten vorne bewusst isolieren.“

Besonders Fynn Weber rückte der Trainer in den Fokus. „Der Innenblock war teilweise sehr passiv, da haben wir gezielt auf Fynn mit seiner Wurfgewalt gesetzt. Dazu haben Jonas und Felix ihre Stärken im Eins-gegen-Eins eingebracht. Irgendwann gingen Neerstedt ein wenig die Körner aus. Genau das war unser Matchplan. Wir wollten gezielt Spieler in Eins-gegen-Eins-Situationen ziehen und Zeitstrafen provozieren.“

Der Sieg sei wichtig gewesen. „Das ist die richtige Reaktion nach dem Delmenhorst-Spiel. Jeder hatte seine Rolle, jeder hat geliefert.“

Auch Teammanager Lennart Bergmann zeigte großen Respekt vor der Aufgabe. „Wir kommen sicherlich als Außenseiter nach Neerstedt, zu einem Verein, der seit Jahren Handballkultur lebt und einen der stärksten Kader der Liga hat. Wir spielen unser erstes Jahr Oberliga und können mit den großen Teams mehr als mithalten. In der Vorbereitung verlieren wir noch deutlich gegen sie und gewinnen jetzt in der Saison beide Spiele. Das zeigt, welche unglaubliche Entwicklung die Jungs genommen haben und wie viel Potenzial noch in dieser Mannschaft steckt.“

Mit Blick auf die Intensität der Begegnung ergänzte Bergmann: „Größten Respekt vor dem Kampf in der zweiten Halbzeit in einem sehr harten Spiel. Mit der Schiedsrichterleistung sind wir grundsätzlich zufrieden, aber wir hätten uns gewünscht, dass die Härte von Neerstedt früher etwas stärker unterbunden wird. Sonst schaukelt sich so etwas hoch und endet in unnötigen, überharten Aktionen. Genau so ist es dann ja auch gekommen, als die Situation schließlich in der Roten Karte mündete. Leider sieht man da deutliche Parallelen zum Hinspiel. Am Ende geht es immer um den Schutz unserer Spieler.“

Unterm Strich bleibt ein starker Auswärtsauftritt der Bremer, eine deutliche Leistungssteigerung nach der Pause und zwei Punkte, die im weiteren Saisonverlauf noch enorm wertvoll werden können.

SG Bremen-Ost: Laube (6), Heilenkötter, Berdar (4), Fietze (1), Reimer (3), Bartels, Rüsch (3), Timmermann (2), Weber (11), Ellmers, Rades (2), Dehmel, Keller (4), K. Seekamp, R. Seekamp, Fieritz

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